Wer heute stirbt, hinterlässt nicht nur ein Bankkonto, ein Auto oder eine Wohnung. Sondern auch ein E-Mail-Postfach, ein Amazon-Konto, Streaming-Abonnements, Cloud-Speicher voller Fotos, soziale Netzwerke, Online-Banking-Zugänge und dutzende weitere Accounts, die sich über ein ganzes digitales Leben angesammelt haben.
Und anders als beim analogen Nachlass gibt es für den digitalen kein Bezirksgericht, das automatisch eine Bestandsaufnahme macht. Niemand weiss, welche Konten existieren. Niemand hat die Zugangsdaten. Und kostenpflichtige Abonnements laufen im schlimmsten Fall monatelang weiter, weil sie per Lastschrift oder Kreditkarte abgebucht werden – von einem Konto, das die Erben nicht sofort überblicken.
Was kann man bereits vorkehren?
Einige der grossen Plattformen haben mittlerweile Vorsorge-Funktionen eingebaut:
Google (Kontoinaktivität-Manager): Google bietet eine der durchdachtesten Lösungen an. Unter myaccount.google.com/inactive können Sie festlegen, was passiert, wenn Ihr Konto über einen bestimmten Zeitraum – drei, sechs, zwölf oder achtzehn Monate – nicht mehr genutzt wird. Sie können Vertrauenspersonen benennen, die dann Zugriff auf ausgewählte Daten erhalten: E-Mails, Fotos, Drive-Dateien, YouTube-Inhalte. Alternativ können Sie festlegen, dass das Konto nach Ablauf der Frist automatisch gelöscht wird. Die Einrichtung dauert keine fünf Minuten.
Apple (Nachlasskontakt): Seit iOS 15.2 und macOS Monterey können Sie in den Einstellungen unter „Apple-ID“ einen oder mehrere Nachlasskontakte hinterlegen. Die Einrichtung finden Sie unter „Passwort & Sicherheit“ → „Nachlasskontakt“.
Facebook und Instagram (Gedenkzustand): Meta bietet die Möglichkeit, einen Nachlasskontakt zu benennen, der Ihr Profil nach Ihrem Tod in einen Gedenkzustand versetzen kann. Das Profil wird dann mit dem Hinweis „In Erinnerung an“ versehen. Alternativ können Sie verfügen, dass Ihr Konto nach Ihrem Tod gelöscht wird. Die Einstellung finden Sie unter „Einstellungen“ → „Persönliche Informationen“ → „Kontoinhaber und Kontrolle“.
Laufende Abonnements
Viele Menschen unterschätzen, wie viele kostenpflichtige Dienste an ihr Konto gebunden sind. Streaming-Dienste, Cloud-Speicher, App-Abonnements, Zeitschriften-Abos, Fitnesstracker-Premium, Passwort-Manager, VPN-Dienste – die Liste ist oft erstaunlich lang. Und all diese Dienste buchen weiter ab, solange niemand kündigt.
Für Hinterbliebene bedeutet das: Sie müssen nicht nur die Konten finden, sondern auch herausfinden, welche davon Geld kosten. Ohne eine Übersicht ist das wie eine Suche im Nebel. Besonders unangenehm wird es, wenn die Abbuchungen über eine Kreditkarte laufen, die nicht sofort gesperrt wird.
Was Sie jetzt tun können
Die gute Nachricht: Vorsorgen ist schlicht eine Frage der Organisation – vergleichbar mit dem Ordner, in dem Sie Ihre Versicherungspolicen ablegen.
1. Erstellen Sie eine Übersicht Ihrer digitalen Konten. Das muss keine perfekte Tabelle sein. Eine einfache Liste reicht: Welche Dienste nutze ich? Wo bin ich registriert? Welche davon sind kostenpflichtig?
2. Regeln Sie den Zugang zu Ihren Passwörtern. Der sicherste Weg ist ein Passwort-Manager, dessen Master-Passwort an einem sicheren Ort hinterlegt ist.
3. Halten Sie eine Vertrauensperson auf dem Laufenden. Ihre Partnerin, Ihr Partner, ein erwachsenes Kind oder ein enger Vertrauter sollte wissen, dass eine solche Liste existiert und wo sie zu finden ist. Die Liste selbst muss nicht offen herumliegen – aber jemand muss wissen, dass es sie gibt.

